Jugend bewegt

Eine Bewegung auf dem Land und für das Land, aktiv gestaltend mit Beiträgen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, aus dem Evangelium Jesu Christi heraus handeln, so ist das Selbstbild und der Anspruch der Katholischen Landjugendbewegung KLJB.

In Rhöndorf am Rhein, mit Blick auf die nördlichsten Weinberge des Rheinlandes und unweit des ehemaligen Wohnhauses Konrad Adenauers, sitzt der Bundesverband und organisiert die Aktivitäten seiner 70.000 Mitglieder. Enge Verbindungen gibt es sowohl innerhalb Deutschlands, beispielsweise zu anderen Jugendverbänden im Bund der katholischen Deutschen Jugend (BDKJ), als auch international zur MIJARC.

Mouvement Internationale de la Jeunesse Agricole et Rurale Catholique, auf deutsch: Internationale Katholische Land- und Bauernjugendbewegung.
 

Wie fast alle Laien- und Jugendorganisationen in der katholischen Kirche in Deutschland ist auch die KLJB nach Diözesen organisiert. Die Gruppen vor Ort, so auch die KLJB Dülken e.V., bilden eingetragene Vereine.

1947 zunächst als „Aktion Landjugend“ im BDKJ gegründet, wird die KLJB 1961 ein eigenständiger Jugendverband und zeigt in den nächsten Jahrzehnten bis heute starkes Profil bei Fragen der Demokratie, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit und des sozialen Engagements. Mitglieder sind junge Menschen, in aller Regel zwischen 16 und 30 Jahren, die im ländlichen Raum leben.

Die vielleicht auffälligste und am häufigsten nachgeahmte „Erfindung“ der Katholischen Landjugend ist die 72-Stunden-Aktion, der sich mittlerweile ganze Schulen und andere Jugendverbände anschließen, um meist an einem Wochenende im späten Frühjahr gemeinnützige, umweltschützende, kulturelle oder soziale Projekte zu planen und auszuführen.

Erstmals 1993 im Oldenburgischen durchgeführt, wuchs der Kreis der teilnehmenden Bistümer rasant an, bis vor sieben Jahre die erste bundesweite Aktion stattfand.
 

Auch im europäischen Umland (Österreich, Schweiz, Italien) gab und gibt es seit einigen Jahren vergleichbare Aktionen. In Dülken hat die KLJB im vergangenen Jahr die Außenanlagen des Kindergartens am Marienheim verschönert, während Dutzende anderer Gruppen die Idee unterstützen und Projekte an Grundschulen, Seniorenheimen und anderen sozialen Einrichtungen durchführten.

Vermutlich eine Besonderheit des Niederrheins ist die begeisterte Teilnahme von vielen Landjugend-Gruppen an den Karnevalszügen der Umgebung. Mit großen, aufwändig gebauten Wagen und phantasievollen Kostümen bilden die Jugendlichen aus den verschiedenen KLJB-Vereinen des gesamten Kreises auch beim legendären Dülkener Karnevalszug einen ganz wesentlichen Anteil der aktiven Teilnehmer.

Spätestens gute 80 Tage später triff man die Dülkener Landjugend in ihren grünen Polohemden dann wieder in St. Cornelius. Schon traditionell werden zu Himmelfahrt die Fahrräder gesegnet, bevor es auf eine fröhliche Tagestour geht.

Wie die 72-Stunden-Aktionen zeigen, ist die Katholische Landjugendbewegung aber kein reiner Spaßverein oder Freizeitclub. Die „Akademie junges Land“ bietet den Gruppen vor Ort Bildungs-, Qualifizierungs- und Austauschangebote zu Themen wie ländliche Entwicklung, bürgerschaftliches Engagement und politische Bildung. Die verbandseigene Stiftung „junges Land“ unterstützt bestimmte Projekte der regionalen Gruppen.

Fünf KLJB-eigene Landjugendhäuser stehen für Bildungs- und Kulturveranstaltungen, aber auch für eine gemeinsame Freizeitgestaltung, zur Verfügung. Dabei ist ein zentrales Anliegen des Bundesverbandes die ökologische Ausrichtung der Gästehäuser mit einem sparsamen Ressourcenumgang und nachhaltigen Energiekonzepten. Gemäß seiner durchaus politischen Ausrichtung sieht der Verband in den Häusern ein Vorbild und Leuchtturmprojekt für die ökologische Ausrichtung von Wohn- und Lebensstil.

Die Häuser stehen im nördlichen Brandenburg, in Unterfranken, Franken, Oberbayern und bayrisch Schwaben.
 

In den schon im Februar 1988 von der KLJB-Bundesversammlung beschlossenen Leitlinien findet man die Sorge um Probleme, die teilweise erst heute, nach über 30 Jahren, die Breite der Bevölkerung erreicht haben. Die Bewahrung des naturnahen Lebensraumes, die radikale Änderung der ländlichen Strukturen zu reinen Wohn- und Schlafräumen der großstädtischen Ballungsgebiete mit dem einhergehenden Wandel der gewachsenen dörflichen Strukturen, das Sterben der kleinen und mittelständischen Landwirtschaften, alles das ist Thema der KLJB.

Nicht verwunderlich scheint es daher, dass der amtierende Bundes- minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, in seiner Jugend Mitglied des KLJB war.

Der Witschaftspädagoge Müller ist auch als Einzelpersönlichkeit gewähltes Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.


Besonders aktuell wirkt der Absatz über die geschwisterliche Kirche von gleichberechtigten Frauen und Männern sowie die Forderung an eine neu verstandene Landpastoral mit der verantwortlichen Mitarbeit von Laien. Als Leser bekommt man eine Idee, warum die „Maria 2.0“-Bewegung ausgerechnet im ländlichen Bistum Münster, und nicht im urbanen Köln oder Essen, entstanden ist.

Natürlich macht sich die allgemeine gesellschaftliche Abkehr vom gemeinnützigen Engagement und der Mangel an Interesse, sich außerhalb der sogenannten Sozialen Medien überhaupt noch mit anderen Menschen auseinandersetzen zu wollen, auch bei der Katholischen Landjugendbewegung bemerkbar. Viele Jugendliche sind in einer absoluten Konsumentenrolle gefangen und beschränken eigene „Gestaltung“ der Gesellschaft nur noch auf „like“ oder „dislike“, dem Dasein als Internet-Troll (natürlich anonym) oder direkt als ausschließlicher Serienjunkie oder Online-Gamer.

Wie alle Jugendorganisationen, so muss auch die KLJB Wege finden, diese jungen Menschen zu erreichen und für ihre Ziele zu begeistern.


Text: Claus Rycken l Fotos: Katholischen Landjugendbewegung KLJB