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Foto: Uwe Rieder

St. Ulrich muss wegen einer Untersuchung des Daches kurzfristig geschlossen werden

Liebe Gemeindemitglieder von St. Cornelius und Peter,

es gibt Nachrichten, die man nicht gerne überbringt. Eine solche Nachricht betrifft unsere Kirche St. Ulrich. Die Kirche wird zunächst vorübergehend geschlossen werden. Der Grund dafür sind notwendige Untersuchungen an der Dachkonstruktion. Um diese Untersuchungen fachgerecht durchführen zu können, müssen in der Kirche zwei Gerüste aufgebaut werden. Erst wenn die Arbeiten abgeschlossen und die Ergebnisse ausgewertet sind, werden wir wissen, wie es mit St. Ulrich weitergehen kann.

Diese Ungewissheit ist für viele von uns nicht leicht auszuhalten. Denn eine Kirche ist niemals nur ein Gebäude. Sie ist ein Ort, an dem Menschen getauft wurden, geheiratet haben und von ihren Angehörigen Abschied nehmen mussten. Hier wurden Kinder und Jugendliche auf ihrem Glaubensweg begleitet, hier haben Menschen gebetet, gesungen, gefeiert und Trost gefunden. In einer Kirche verbinden sich ganz persönliche Lebensgeschichten mit der Geschichte einer Gemeinde. Auch St. Ulrich ist für viele Menschen ein solcher Ort geworden – ein Stück Heimat, das mit Erinnerungen, mit Menschen und mit dem eigenen Leben verbunden ist.

Ganz besonders gilt das auch für unsere Familienkirche, die in St. Ulrich eine gute und lebendige Heimat gefunden hat. Durch die vorübergehende Schließung kann die Familienkirche dort zunächst nicht stattfinden. Deshalb müssen wir für diese Zeit einen anderen geeigneten Ort finden. Auch darüber ist noch zu entscheiden. Uns ist dabei wichtig, dass die Familienkirche ihren Charakter und ihre besondere Atmosphäre behalten kann und weiterhin ein Ort bleibt, an dem Familien sich willkommen fühlen, gemeinsam Gottesdienst feiern und ihren Glauben erleben können.

Deshalb möchten wir ausdrücklich sagen: Mit dieser vorübergehenden Schließung ist noch keine Entscheidung über die Zukunft von St. Ulrich getroffen. Wir wissen heute selbst noch nicht, ob die Kirche nach den Untersuchungen wieder geöffnet werden kann oder ob sie dauerhaft geschlossen werden muss. Wir bitten deshalb um Verständnis dafür, dass wir an dieser Stelle noch keine Antworten geben können, die wir selbst noch nicht haben.

Gleichzeitig dürfen wir die Augen vor der größeren Entwicklung nicht verschließen. Die Gremien im Pastoralen Raum Viersen stehen vor der Aufgabe, ein Immobilienkonzept zu erarbeiten. Dabei wird es um die zukünftige Nutzung aller pastoral genutzten Gebäude gehen – und selbstverständlich wird auch über St. Ulrich gesprochen werden müssen. Wir stehen dabei vor Veränderungen, die tiefgreifend sein werden. Die finanziellen Möglichkeiten unserer Kirchengemeinden werden in den kommenden Jahren deutlich geringer werden. Auch die Zahl der hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird zurückgehen. Und bei aller schmerzlichen Offenheit gehört auch dazu, dass die Zahl der Menschen, die regelmäßig am kirchlichen Leben teilnehmen, deutlich weniger geworden ist.

Das alles macht notwendige Entscheidungen nicht leichter. Im Gegenteil: Wir wissen, dass jede einzelne Entscheidung schmerzen wird. Ganz gleich, welche Kirche oder welches pastoral genutzte Gebäude es am Ende treffen wird – hinter jedem Gebäude stehen Menschen, Erinnerungen, Engagement und ein Stück gelebtes Gemeindeleben. Niemand von uns wird solche Entscheidungen leichten Herzens treffen. Und niemand ist darüber glücklich, wenn Orte aufgegeben werden müssen, die Menschen über Jahrzehnte und manchmal über Generationen Heimat gegeben haben.

Dennoch können wir uns diesen Veränderungen nicht einfach entziehen. Unsere Verantwortung besteht darin, ehrlich auf die Wirklichkeit zu schauen und zugleich sorgsam mit dem umzugehen, was uns anvertraut ist. Dabei darf es nicht nur darum gehen, Gebäude zu erhalten. Es muss vielmehr darum gehen, auch unter veränderten Bedingungen Räume für Glauben, Gemeinschaft, Gebet und Begegnung zu bewahren. Wir müssen gemeinsam danach suchen, was auch in Zukunft trägt und wo Kirche für Menschen erfahrbar und lebendig bleiben kann.

Für den Augenblick bitten wir vor allem um Geduld und Verständnis. Die Untersuchungen in St. Ulrich müssen zunächst durchgeführt werden. Erst danach werden wir wissen, welche Möglichkeiten bestehen. Auch über den neuen Ort für die Familienkirche werden wir informieren, sobald eine gute Lösung gefunden ist. Wir werden die Gemeinde über die weiteren Schritte informieren und dabei auch die Gefühle und Sorgen der Menschen ernst nehmen, die mit St. Ulrich und der Familienkirche verbunden sind.

Vielleicht ist gerade jetzt wichtig, nicht vorschnell Abschied zu nehmen, solange noch gar nicht feststeht, wie die Zukunft aussehen wird. Lassen wir uns vielmehr von der Hoffnung leiten, dass wir auch in schwierigen Zeiten gemeinsam Wege finden können. Dabei wird es darauf ankommen, dass wir einander zuhören, miteinander im Gespräch bleiben und bei allen notwendigen Veränderungen nie aus dem Blick verlieren, worum es uns als Kirche eigentlich geht: um die Menschen und um die Botschaft Jesu Christi.

Wir wissen nicht, was die Zukunft für St. Ulrich bringen wird. Aber wir wissen, dass uns dieser Ort und die Menschen, die mit ihm verbunden sind, wichtig sind. Und deshalb werden wir auch die weiteren Schritte mit der gebotenen Sorgfalt, mit Verantwortungsbewusstsein und mit Respekt vor dem, was gewachsen ist, gehen.

Im Namen des Kirchenvorstandes
der Kirchengemeinde St. Cornelius und Peter

Roland Klugmann
Pfarrer