Friedensgebete: In St. Cornelius wird die Idee der Gebete in der Nikolaikirche Leipzig aufgegriffen
Vielerorts ist die Erinnerung daran schon verblasst – 1981 wurde bei Bischofswerda/Sachsen mit dem Bau einer Raketenbasis begonnen, auf der russische Nuklearwaffen stationiert werden sollten. Aufgrund des aufkommenden Unmutes der Bevölkerung wagte die evangelische Kirche der ehemaligen DDR den Vorstoß eines Friedensgebetes in der Nikolaikirche Leipzig mit beachtlicher Auswirkung: Initiiert durch eine Meditation von ca. 120 Jugendlichen wurde eine Atmosphäre der Befreiung geschaffen.
Heutzutage blicken die Menschen sehr besorgt auf die politische Lage in allen Erdteilen. Engagierte Christinnen und Christen der Pfarrgemeinde St. Cornelius finden sich daher schon seit einigen Jahren zusammen, um ein wöchentliches Friedensgebet vorzubereiten.
Einige berichten über ihre Motivation: „Weltweit gibt es 65 kriegerische Konflikte in der Welt. Dieser Zustand ist für mich sehr beängstigend. Ich möchte ein klein wenig nach meinen Möglichkeiten dazu beitragen, mich für den Frieden einzusetzen. Hilfreich finde ich dazu die Gestaltung der Friedensgebete hier vor Ort.“ Betont wird auch der soziale Gesichtspunkt: „Das gemeinsame Gebet verbindet uns mit vielen Menschen, die ähnlich denken“.
Zudem werden die Beweggründe, die auf tiefem Gottvertrauen basieren, offensichtlich: „Ich schätze sehr den Austausch in dieser Gemeinschaft und möchte mich am Inhalt der Friedensgebete irgendwie beteiligen, in der Zuversicht des Glaubens, dass Gott für die Welt Frieden, Liebe und Würde für alle Menschen gleichberechtigt will – und jede und jeder von uns verantwortlich mitschöpferisch daran beteiligt ist, dass immer mehr Menschen – möglichst alle – in Frieden leben können. Gerade weil ich merke, wie zerbrechlich und wackelig unsere Sicherheiten geworden sind.“ Auch die Unausweichlichkeit des Friedens wird betont: „ […] der Friede ist notwendig, wenn wir weiter als Menschen gut miteinander – jeder mit seinen Fähigkeiten und seiner Art – auf dieser Erde leben wollen. Friede gehört zur Botschaft Gottes an die Welt und zum Geschenk Christi an uns. […] Ich beteilige mich gerne an der Mitgestaltung, auch als Dienst in unserer Gemeinde vor Ort für den Frieden.“
Die Friedensandacht selbst findet jeden Mittwoch in der Zeit von 19:00 Uhr bis ca. 19:15 Uhr in der Marienkapelle der St. Corneliuskirche (Eingang Kreuzherrenstraße) statt. Hier haben Gedanken zu aktuellen Ereignissen, aber auch Altbekanntes oder Friedens-Worte aus der Bibel ihren Platz. Selbstverständlich werden auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einbezogen, denn Gebete und Gesang werden erst durch die Mitwirkung aller lebendig.
Jeder und jede Besucherin ist willkommen, ebenso wie neue Mitwirkende beim Vorbereitungsteam. Wer mitmachen möchte, melde sich bitte vorab zu den Öffnungszeiten im Pfarrbüro St. Cornelius und Peter unter der Rufnummer 02162 55409.
Dass Friedensgebete gelegentlich eine erstaunliche Wirkung haben, zeigen die ökumenischen Friedensgebete in der Nikolaikirche, die seit 13. September 1982 regelmäßig montags stattfanden: Am 4. September 1989 bildete das Gebet die Initialzündung für die Montagsdemonstrationen, die als Auslöser der friedlichen Revolution in der DDR galten.
Für das Vorbereitungsteam der Friedensandachten in St. Cornelius: Ute Hölter
