Zum Hauptinhalt springen

Die Abtei Mariendonk. Foto: Uwe Rieder

Warum Menschen heutzutage ins Kloster gehen und wie sich ihr Alltag gestaltet

Heutzutage werden die Menschen oft durch das soziale oder marktwirtschaftliche Angebot auf Klöster aufmerksam, hierzu zählen beispielsweise Bildungsangebote für Schüler und Erwachsene, Gastronomie und Hotellerie oder die Erzeugung von Brauereiprodukten. Das Ordensleben findet fernab von der Öffentlichkeit statt – aber es existiert durchaus.

Im vergangenen Jahr hat die eidgenössische Soziologin Isabelle Jonveaux durch eine Befragung von 148 Ordensleuten in Österreich, Frankreich und der Schweiz herausgefunden, dass in der überwiegenden Anzahl spirituelle (geistliche) Gründe einem Eintritt in ein Kloster zugrunde liegen. Im Buch von Stephanie Mende „Um Gottes Willen- Warum Menschen heute ins Kloster gehen“ (ISBN 978-3-86334-247-0) drückt ein Pater es so aus: „Gott ist die Liebe. Nach dieser Liebe sollten auch wir Menschen streben, um dann schließlich bei Gott die Vollendung erfahren zu können.“ Oder eine Schwester sagt: „Ich möchte nach Gottes Willen leben. Auf diese Weise bin ich sehr glücklich geworden.“

Mehr Ordensfrauen als Männer

Nach Angaben der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) gab es am 30.12.2025 insgesamt 20 Novizen (das sind diejenigen Menschen, die eine Vorbereitungszeit im Kloster absolvieren) in Männerklöstern und 47 Novizen in Frauenklöstern. Bemerkenswert ist, dass 37 von ihnen in einen tätigen Orden eintreten wollen, die anderen 10 in einen kontemplativen. In vielen Kongregationen gibt es übrigens Altersbeschränkungen, die etwa bei 35 bis 40 Jahren liegen. Insgesamt gehörten gemäß DOK am 30.12.2025 3.027 Männer einem Orden an, davon 2.313 mit Priesterweihe. 52% sind jünger als 65 Jahre. Die Klostergemeinschaften für Frauen zeichnen ein anderes Bild: Zum gleichen Zeitpunkt gab es 8.770 Ordensfrauen in kontemplativen und tätigen Orden, davon 81% über 65 Jahre.

Isabelle Jonveaux hat in ihrer Studie herausgefunden, dass oft auch das Leben in der Gemeinschaft ein Grund für den Eintritt sein kann – genauso aber auch für den Austritt, vor allem dann, wenn ein großer Unterschied besteht zwischen dem Alter der /des Eintretenden und dem Durchschnittsalter der Gemeinschaft. Die Jungen bringen ganz andere Themen und Eintrittsgründe mit als die schon länger dort lebenden. Das bestätigt auch ein weiterer, von Stephanie Mende interviewter Pater: „Wenn ich sagen würde, es ist leicht, ins Kloster einzutreten, würde ich lügen. Es ist wunderschön, aber es ist auch eine große Herausforderung.“ Die Journalistin gibt auch die Stimme einer Schwester wieder, die ihr Kloster kurz vor dem ewigen Gelübde wieder verlassen hat: „Ich hatte das Gefühl, meinen Platz gefunden zu haben und sehr gemocht zu werden. Trotzdem wusste ich, dass mein Weg an dieser Stelle zu Ende war.“

Mehrstufige Vorbereitungszeit auf das Klosterleben

Diejenigen, die aufrichtig mit dem Gedanken spielen, in ein Kloster einzutreten, erwartet eine fünfstufige Prüfungszeit: Sie beginnt mit einem Aufenthalt als Gast, um die Abläufe im Kloster kennenzulernen, gefolgt von der Probezeit (genannt „Postulat“). Sie kann bis zu einem Jahr dauern und dient der Eingewöhnung in das Klosterleben. Treten keine gegenteiligen Gründe auf, schließt sich die Zeit des Noviziates an, in der die Probanden oft das Ordensgewand, einen neuen Namen und eine weiterführende geistliche Ausbildung erhalten. Es folgt der befristete Zeitraum der Profess, bei der zu Beginn die Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam abgelegt werden. Den feierlichen Abschluss bildet das Ablegen der sog. Ewigen Profess, der lebenslangen Bindung an den Orden (und oft auch an ein Kloster). Männer haben die Möglichkeit, hiernach zusätzlich die Priesterweihe zu erhalten.

Der Tagesablauf richtet sich für alle Bewohnerinnen und Bewohner eines Klosters im Wesentlichen nach der ursprünglichen „ora et labora“ (bete und arbeite) – Vorschrift. Er fängt meist zwischen 5.00 und 6.00 Uhr an und endet gegen 20.00 Uhr bzw. 21.00 Uhr; Gebets- und Arbeitszeiten wechseln sich ab. Wie sie heutzutage konkret ausgestaltet werden, zeigt eine Vielzahl von Dokumentarfilmen, die der folgenden Übersicht aufgelistet sind.

Ute Hölter

  • „Die Schwestern von Kloster Mariendonk“ - ausgestrahlt am 31.10.2025 im WDR in der Reihe „Heimatflimmern“, nur noch über Facebook zu sehen.
  • „24 h im Kloster: So ist der Alltag von Schwester Salome“– ARD Mediathek
  • „Mut unterm Kreuz: Leben im Kloster“ – ARD Mediathek
  • „Einblick ins Klosterleben – Zu Beginn bei Ordensfrauen“ – ARD Mediathek

Die Berufung

Über allen Entscheidungen, in ein Kloster einzutreten, schwebt das Wort Berufung. Was es damit für den einzelnen Menschen, aber auch für die Gemeinschaft der Klosterangehörden bzw. die jeweiligen Orden auf sich hat, beschreibt Marlene Koolen:

Klöster auf dem Weg in die Gegenwart und die Zukunft

Berufung geht immer von Gott aus; das gilt nicht nur für die Berufung einzelner Menschen, das gilt auch für die Ordensgemeinschaften selbst. Wie die vorausgegangenen Artikel über Orden und Klöster an Beispielen erkennen ließen, schafft sich  Gott die Ordensgemeinschaften und Klöster, die Er in der jeweiligen Zeit für die Erfüllung Seiner Mission benötigt. Jede Zeit hatte ihre eigene Prägung und Herausforderung, die auch die entsprechende Form der Klöster und religiösen Gemeinschaften prägte und erforderte, um die Botschaft Christi in der Zeit sichtbar zu machen. Dies gilt z.B. besonders auch für die vielen auf Grund der gesellschaftlichen Notsituation während der Industrialisierung karitativ in Kranken- und Sichenpflege, Armenfürsorge, Kinderpflege und Wissensvermittlung tätigen und neu entstandenen Ordensgemeinschaften. Hier wird heute in Europa vielfach deren Dienst in Ausbildungsberufen der Kranken- und Altenpflege, sowie in der Erziehung und Pädagogik, die Arbeit der Ordensschwestern und –Brüder von Frauen und Männern außerhalb der Klöster übernommen.

Doch auch heute braucht Gott Menschen, die sich Ihm ganz weihen und zur Verfügung stellen, um Seine Botschaft in die Welt zu bringen. Ordensgemeinschaften suchen in einer Zeit der geringer werdenden Kirchenbindung nach Neuorientierung. In Europa findet diese Umorientierung teilweise weg vom Schwerpunkt der reinen sozialen Tätigkeit zur größeren bewussten Verbindung dieser sozialen Arbeit mit dem geistlichen Dienst aus dem Glauben und der besonderen Berufung statt; z.B. 
  • Kontemplative Ausrichtung mit dem Charisma von Lobpreis Gottes und Gebet, sowie geistlichem Dienst an den Menschen in Auszeiten, Glaubensvertiefung usw.
  • Nachfolge Christi in der Verbindung von Gebet mit dem Dienst am Menschen, der dies in einer besonderen Ausrichtung auf die geistliche Dimension sieht: z.B. Hospiz mit geistliche Begleitung von Sterbenden, Krankenhausseelsorge verbunden mit der Krankenpflege oder Altenpflege usw.
  • Seelsorglicher Dienst verbunden mit Glaubensvermittlung an Kindern in Pfarrgemeinde, Kindergarten, Schulen usw. 
  • Seelsorge in der Pfarrei, in Exerzitien, geistlicher Begleitung  usw.
  • Seelsorgliche und menschliche Hilfe in Not geratener Menschen u.Ä.

Das Kloster Heilig Kreuz in Donauwörth. Foto: iStock.com/manfredxy

Gerade um die Zeit des 2. Vatikanischen Konzils herum werden neben den offiziellen Missionsorden wie z.B. die Steyler inzwischen auch andere Ordensgemeinschaften durch Missionsgründungen international tätig, wie z.B. die Waldbreitbacher Franziskanerinnen in Brasilien (www.waldbreitbacher-franziskanerinnen.de), die Rita-Schwestern in den USA (ritaschwestern.de) und viele andere mehr. 

Die Vielfalt dieser Gemeinschaften würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen; deshalb sind hier exemplarisch einige wenige Beispiele genannt und Hinweise auf Seiten des Internets gegeben. Zwei in der Geschichte gewachsene Ausrichtungen bilden dabei eine grobe Unterteilung: 

1) Einmal sind da die sogenannten kontemplativen Orden, die sich neben den 3 Gelübden von Keuschheit, Armut und Gehorsam an ein bestimmtes Kloster binden (Stabilitas). Hierzu gehören z.B. Benediktiner/innen, Zisterzienser/innen und Trappist/inn/en, die nach der Benedikt-Regel leben; (C)Klarissinnen, die nach der Franziskusregel leben (klarissen-münster.franziskaner.de), sowie Karmelit/inn/en (www.karmelitinnen-köln.de). 

Als Beispiel seien hier die Benediktinerinnen der Abtei Mariendonk in unserer Nähe genannt. Ihre Spiritualität stellt den Gottesdienst, vor allem die Begegnung mit Christus in der Eucharistiefeier, in den Mittelpunkt als Zentrum ihres Gemeinschaftslebens. Dazu gehören auch das Stundengebet, die Schriftlesung und das Studium der Kirchenväter. Doch auch Arbeit, Gemeinschaft und Gastfreundschaft werden hier gepflegt. In diese ihre Spiritualität des Gottesdienstes im Namen der Kirche und für die Welt nehmen sie die Menschen in ihrer Gastfreundlichkeit mit hinein. Sie geben ihren Glauben in spirituellen und theologischen Angeboten, aber auch der Möglichkeit Ruhe zu finden weiter. Mariendonk angeschlossen sind Oblat/inn/en, die die benediktinische Spiritualität in der Welt zu leben suchen und sich monatlich treffen. (mariendonk.de + kleiner Film: wdr.de fernsehen – Lokalzeit, YouTube: Mediathek EWTN)

2) Eine weitere Ausrichtung sind die vielen verschiedenen in vielfacher Weise karitativ und in der Seelsorge tätigen männlichen und weiblichen Orden und Kongregationen wie Franziskaner/innen (schervier-orden.de), Dominikaner/innen (www.arenberger-dominikanerinnen.de), Augustiner/innen, Jesuiten, Ursulininnen (Ursulinen – bistum-essen.de), Salvatorianer/innen (www.kloster-steinfeld.de), Vinzentinerinnen, Boromäerinnen, Marianische Ordensgemeinschaften, wie die Schwestern Unserer Lieben Frau in Mülhausen (www. Snd-europa.de), Missionsorden und viele mehr. Dabei wird bei allen tätigen Ordensgemeinschaften ihr Dienst unter und an den Menschen vom Gebet und Leben mit Gott getragen. Diese nach außen an den verschiedensten Orten tätigen Orden und Gemeinschaften sind so vielfältig, dass Beispiele hier nur willkürlich einen ganz kleinen Bruchteil wiedergeben können:

a) So tragen die Franziskaner zusammen mit den Dominikanern in Düsseldorf mit Gottesdiensten, Beicht- und Gesprächsseelsorge, City-Pastoral, Katholischer Glaubensinformation „Fides“ usw. die Seelsorge der Innenstadt-Gemeinden St. Andreas und St. Maria Empfängnis. Außerdem leisten sie in der „Bruder Firmin-Klause“ Obdachlosenarbeit. (franzikaner.de – Haeuser – Duesseldorf)

b) Die Franziskus-Schwestern in Krefeld schreiben als Motto „Miteinander – in Freude dienend – Gottes Liebe zu uns Menschen bezeugen“ über ihr Leben. Sie stellen ihr Haus für Spirituelle Tages- und Wochenend-Angebote und Exerzitien interessierten Gästen zur Verfügung, damit diese Liebe Gottes erfahrbar wird. Dem Beispiel des hl. Franziskus folgend sehen sie als Schwestern des 3. Ordens (OSF) ihr Ziel darin, nach dem Evangelium in Einfachheit und geschwisterlichem Umgang mit der ganzen Schöpfung zu leben. (https://franziskus-krefeld.de/schwestern/) Hier trifft sich auch jeden 2. Samstag im Monat der „Dritte Orden des hl. Franziskus (OFS: Ordo Franciscanus Saecularis)“, deren Mitglieder ihre Berufung mitten im Alltag in Gebet, Schriftlesung und in allem, was sie tun – in der Familie und in der Nachbarschaft, in Arbeit oder Ruhestand, in Kirche und Gesellschaft leben wollen. (www.ofs.de)

c) Zu den Ordensgemeinschaften, die nach dem 2. Vatikanischen Konzil eine Mission auf einem anderen Kontinent gründeten, gehörten z.B. auch die aus den Beginen hervorgegangenen Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus in Köln. Die unter dem Motto „Einfach Da Sein“ nach dem Vorbild der Urgemeinde in Güter-Gemeinschaft lebenden Schwestern wollten vor allem in der Kranken- und Altenpflege die Barmherzigkeit Gottes weitergeben. In den 60iger Jahren nahmen sie indische Postulantinnen aus Kerala auf, die die Ordensgemeinschaft inzwischen unter dem Namen „Augustinian Sisters“ über ganz Indien im Dienst an den Armen ausbreiteten. Während der deutsch-belgische Zweig ausstirbt, übernehmen diese Schwestern mittlerweile Aufgaben hier in Deutschland und gründen eine kleine Mission im Kongo. (www.cellitinnen-osa.de + www.erzbistum-koeln.de – orden – Cellitinnen)

d) Da Deutschland heute selbst christliches Missionsland ist, übernehmen Priester und Ordensschwestern anderer Kontinente hier vielfach die Berufung der Orden für unser Land. So erfüllen schon viele Jahre indische Schwestern ihren Dienst im Cornelius-Alten- und Pflegeheim, und wir treffen sie in unserer Gemeinde und Kirche. Damit seien hier nur einige Beispiele von Ordensgemeinschaften genannt, die Gott auch heute für Seine Botschaft des Evangeliums unter die Menschen stellen will. 

Gerade in einer immer mehr friedlosen, auseinander fallenden Welt und auch in Europa und Deutschland größer werdenden Kluft unter den Menschen, bekommt das Ordensleben auch heute wieder besonderen Auftrag und Bedeutung für Menschen in Not. 

Sich von Gott berufen fühlen

Foto: iStock.com/SHipskyy

Wie bereits erwähnt: Berufung geht immer von Gott aus. Er ist es, der einen Menschen in Seine Gemeinschaft und zum Dienst an Seiner Botschaft für die Welt, für die Menschen beruft. Dies kann auf vielfältige Weise und zu vielfältigen Lebenswegen sein; - sei es abgeschieden in einem kontemplativen Orden, sei es in eine Ordensgemeinschaft zum Verkündigungsdienst oder zum karitativen Dienst am Menschen, sei es zur Ehe und Familie oder in eine Gemeinschaft draußen in der Welt.

Gleichzeitig ist dieser Ruf immer ganz persönlich und sehr unterschiedlich und individuell. So geht auch jedem Eintritt in ein Kloster ein persönlicher Berufungsweg voraus. Häufig gibt es im Rückblick bis zum Augenblick der Berufung einen vorbereitenden Glaubensweg. Dies gilt ebenfalls für den Weg in eine ganz bestimmte Ordensgemeinschaft. Neigungen, Begegnungen, Interessen und Fähigkeiten, vielfach manchmal auch sogenannte Zufälle und Fügungen weisen den Weg zu der Ordensgemeinschaft, in die Gott die / den Einzelnen führen will.

Dem Eintritt in eine Ordensgemeinschaft folgen dann noch Jahre des gegenseitigen Kennenlernens und der Einführung ins Ordensleben mit Postulat und Noviziat, wo noch keine Bindung besteht, das jeweilige Ordensleben aber schon konkret mitgelebt wird. Es folgt die 1. Bindung im Gelübde der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, der Armut, die auch die Gemeinsamkeit des Besitzes beinhaltet, und dem Gehorsam gegenüber Gottes Ruf nach den Regeln der jeweiligen Ordensgemeinschaft. Diese zeitliche Profess wird jeweils für 1 – 2 Jahre über 4 – 6 Jahre erneuert, dann folgen die Ewigen Gelübde. Dabei ist die Profess nicht wie Priesterweihe und Ehe ein eigenes Sakrament, sondern beruht in einer tiefen, besonderen Erwählung auf den Sakramenten der Taufe und Firmung.

So steht ein Ordensangehöriger trotz der Eigen- und Selbständigkeit der Ordensgemeinschaften immer auch als Teil der Kirche in deren Dienst und Auftrag (vgl. CIC Can.673 - 675 + Can. 678).

Der Gedanke an ein Kloster in einem Menschen könnte auch heute noch Gottes Ruf an diesen sein, den es zu prüfen gilt.