Wie christliche Grundsätze bei der Beratung pflegebedürftiger Angehöriger helfen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben im Dezember 2023 in Deutschland 5,69 Millionen Menschen mit Pflegebedürftigkeit. Der weitaus größte Anteil, insgesamt 86 %, wird zu Hause gepflegt, davon die meisten (67 %) durch Angehörige, bei 19 % erledigen hauptsächlich private Pflegedienste diese Aufgabe.
Im Vordergrund steht für die Angehörigen dabei zunächst die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegezeit. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es immer wichtiger, die letzte Lebensphase der zu pflegenden Personen mit Würde zu begleiten, dabei sind konstruktive Gespräche ein wesentliches Hilfsmittel. Die Deutsche Bischofskonferenz legt in ihrer Verlautbarung „Ethische Sorge für den ganzen Menschen“ (https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/ethische-sorge-fuer-den-ganzen-menschen) ein christliches Menschenbild als Basis zur Beratung zugrunde, das jeweils eine einzelne Pflegeperson und die Gruppe der Angehörigen gleichwertig nebeneinander betrachtet. Es umfasst fünf Aspekte:
- Jeder Mensch hat sein Leben mitsamt seinen Talenten von Gott als Geschenk erhalten. Er hat die Aufgabe, seine Talente nach bestem Wissen und Gewissen zu entfalten; das Matthäusevangelium berichtet anschaulich im Gleichnis von den Talenten darüber (Kapitel 25, Vers 14 – 30). So soll der Mensch auch die letzte Phase seines Lebens nach seinen Vorstellungen gestalten dürfen, denen pflegende Angehörige respektvoll gegenüberstehen.
- Im Gottesgeschenk des Lebens verbirgt sich zudem die Würde jedes Menschen, auf der dessen Freiheit basiert In christlicher Gemeinschaft sind freiheitliche Entscheidungen gleichbedeutend mit denjenigen, die in gottgefälliger Weise und in Übereinstimmung mit den rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft, z.B. im Hinblick auf das Thema Sterbehilfe, getroffen werden.
- Der Mensch als Individuum hat dafür Sorge zu tragen, dass er selbst die letztendliche Verantwortung für die Entscheidungen trägt, die er selbst trifft. Aber da bekanntlich zwei Personen die kleinste Einheit Mensch ausmachen, kann er diese Entscheidung nicht allein, sondern im Dialog mit seinen Freunden und nahestehenden Angehörigen, treffen.
- In der Öffentlichkeit wird oftmals verstärkt wahrgenommen, dass Menschen in höherem Lebensalter gebrechlich werden. Eher weniger thematisiert wird die Tatsache, dass diese aufgrund ihrer durchlebten Krisen gleichermaßen widerstandsfähiger geworden sind. Zahlreiche Bibelstellen geben Zeugnis davon, dass Jesus gerade diesen Menschen, die an den Rand einer Gesellschaft gedrängt sind, besonders beisteht. Er heilt sie und gibt ihnen ihre Würde zurück. So ist in Lukas, 8.43 – 8.48 von einer Frau zu lesen, die als unrein galt und Jesus begegnet. Er nimmt sich Zeit für sie, heilt sie und bezeichnet sie als seine Tochter.
- Im Hinblick auf die christliche Osterbotschaft und die Auferstehung Jesus können nahe Angehörige und Freunde eine Sterbende/ einen Sterbenden liebevoll begleiten. Möglich ist es, gemeinsam mit diesen Menschen den Lebensweg Revue passieren zu lassen, Erfolgreiches und weniger Erfolgreiches noch einmal aufzurufen. Die Osterbotschaft indes tröstet hier ein zweites Mal – nämlich diejenigen, die die sterbende Person in Frieden auf ihrem Weg zu Gott gehen lassen.
In den (etwas weiter gefassten) thematischen Rahmen gehört möglicherweise auch ein Gespräch über Organspende. Im Herbst 2026 soll der Bundestag erneut darüber debattieren und abstimmen, ob eine Gesetzesänderung in Richtung Widerspruchslösung erfolgt. Jeder Volljährige würde dann automatisch als Organspender registriert, wenn er nicht aktiv dieser Regelung widerspricht.
Ute Hölter
