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Die idyllisch gelegene Abtei Maria Laach in Rheinland-Pfalz. Foto: iStock.com/jokuephotography

Die Bedeutung von Klöstern – und wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte verändert

Bekanntlich geht die erste Klostergründung auf Benedikt von Nursia (529 n.Chr.) zurück, doch erst ein kurzer Blick in die Geschichte macht deutlich, dass sie lange Zeit wertvolle Aufgaben im Zusammenleben der Menschen erfüllten: Unter dem Einfluss der Völkerwanderung ab dem vierten Jahrhundert zerfiel das römische Reich (476 dankte der letzte weströmische Kaiser ab). Die römische, öffentliche Kultur und Ordnung samt ihren Bauwerken wie Theater, Tempeln, Badehäusern, aber auch Regierungsgebäuden und Straßen, waren dem Verfall preisgegeben. Die systematische Gründung von Klöstern half nicht nur, dem Sittenverfall entgegenzutreten. Klöster übernahmen gleichzeitig auch Aufgaben, für die keine Verantwortlichen mehr existierten, vor allem in der Land- und Forstwirtschaft, bei Schulbildung und medizinischer Versorgung, aber auch im erzieherischen und frühen wissenschaftlichen Bereich. 

Klöster als Schutz für die Bevölkerung

Nicht zuletzt sorgten die Klöster auch für den körperlichen Schutz der umliegenden Bevölkerung bei kriegerischen Angriffen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein Netz von Klöstern in den west- und oströmischen Gebieten mit einer starken verbindenden Autorität, während weltliche Herrscher nur regional tätig sein konnten.     

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Europas im 11. Jahrhundert entstanden Städte, und dort wiederum ab dem 12. Jahrhundert Zünfte, die Ausbildung und Beschäftigung der Handwerker sowie Sozialfürsorge leisteten – sehr zum Nachteil der Klöster. Auf dem Land hingegen änderte sich die Situation der Bevölkerung nicht. Im Gegenzug stieg die Zahl der Klosterneugründungen innerhalb der Stadtmauern, die ein neues Ziel verfolgten: Die Ordensbrüder wanderten, predigten und erledigten seelsorgerische Aufgaben für die Bevölkerung; sie konnten auch innerhalb des Ordens an andere Klöster versetzt werden. Frauenklöstern gelang erst ab dem 13. Jahrhundert eine vorsichtige Öffnung dahingehend, dass sie Pflegeaufgaben für Bedürftige innerhalb der Stadtgrenzen durchführten. 

Säkularisation löschte das Klosterleben aus

Sowohl die Reformation (16. Jahrhundert) als auch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges ließen mancherorts die Zahl der vorhandenen Klöster schrumpfen. Das wohl folgenreichste Ereignis bildete die Säkularisation (Verstaatlichung kirchlichen Besitzes 1802/1803) während der Herrschaft Napoleons – das Klosterleben wurde eine Zeitlang ausgelöscht.  

Abhilfe konnte erst durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses (1814/1815) geschaffen werden, die nicht nur versuchten, die politischen Verhältnisse wiederherzustellen. Oftmals erhielten auch Kirchen und Klöster enteignete Grundstücke wieder zurück. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ließen zahlreiche Neugründungen das Klosterwesen wieder aufleben. Beispielsweise geht die Benediktinerabtei Maria Laach (https://www.maria-laach.de/) letztendlich auf Fürstin Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen zurück, die 1863 das ehemalige Augustiner-Chorherren-Stift Beuron an zwei Brüder aus dem Benediktinerorden schenkte.
 
1883 gründete der Beuroner Benediktiner Andreas Amrhein (1844 – 1927) eine benediktinische Missionskooperative, zu der auch das bekannte Kloster Münsterschwarzach am Main gehört. Der bekannte Ratgeber und Autor zahlreicher Veröffentlichungen, Pater Anselm Grün, lebt dort (https://www.abtei-muensterschwarzach.de/).

Heute unterliegen die Klöster ökonomischen Zwängen

In den im 19. Jahrhundert neu gegründeten Konventen legten die Ordensbrüder eher einfache Gelübde – im Gegensatz zu den strengen – ab, die Aufgaben und die Ordenstracht an die zu bewältigenden Aufgaben anpassten.  1875 gründete der in Goch geborene Priester Arnold Janssen (1837 – 1909) die Gemeinschaft der Steyler Missionare in den Niederlanden, da der Kirchenkampf die Gründung eines Konvents in Deutschland nicht zuließ (https://www.steyler.de/de/). Vielen neuen Klostergemeinschaften war es ein Anliegen, sich um die Weltmission zu kümmern, oder sie schrieben Krankenpflege, Armenfürsorge oder Wissensvermittlung in Schulen auf ihre Fahnen, wie es vor allem die Schwesternvereinigungen getan haben. 

Gegenwärtig müssen sich bestehende Klöster dem Diktat der Ökonomie beugen. Sie erzielen oft mit ihrer wirtschaftlichen oder sozialen betriebstypischen Tätigkeit keinen Gewinn, müssen aber kostendeckend arbeiten, um ihre Kirchen und Gebäude erhalten (und vielleicht auch Löhne und Gehälter zahlen) zu können. Die Klosterbrauerei Andechs, die von den Benediktinermönchen der Abtei St. Bonifaz in München und Andechs geführt wird (https://www.andechs.de/klosterbrauerei.html), gilt für diesen Fall als Paradebeispiel.

Zur heutigen Realität gehört es aber auch, dass Klöster aufgegeben werden müssen. Im ehemaligen Trappistenkloster zwischen Venlo und Tegelen (https://emmaus-feniks.nl/de)  hat eine soziale Einrichtung ihre Heimat gefunden, die verzweifelte Menschen aufnimmt und ihnen eine sinnvolle Tätigkeit bietet, indem diese einen Second-Hand-Laden führen. Es wird kein Gewinn erwirtschaftet – Verkaufserlöse kommen direkt den bedürftigen Menschen zugute. Besucherinnen und Besucher haben zudem die Möglichkeit, sich in der benachbarten Gastronomie mit einer Mahlzeit und Getränken zu versorgen.   

Ute Hölter