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Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, im Rahmen der Abschlusspressekonferenz der Frühjahrs-Vollversammlung der DBK am 26. Februar 2026 in Würzburg. Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Doppelt gefragt: Dr. Heiner Wilmer SCJ wird neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und neuer Bischof von Münster

Gleich zweimal in diesem Jahr sorgte Dr. Heiner Wilmer SCJ für Schlagzeilen: Zunächst am 24.Februar 2026, als er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt wurde. Am 26. März dieses Jahres ernannte ihn Papst Leo IV. dann zum neuen Bischof von Münster; die Amtseinführung ist für den 21. Juni 2026 terminiert. Bisher war Wilmer Bischof von Hildesheim.

Der Werdegang von Hilmer ist vielseitig. Carakteristisch ist dabei , dass er ganz unterschiedliche Lebensbereiche wie das Ordensleben, Studium, Schule und die Bronx kennengelernt hat, die auch entsprechende Wohnsitzwechsel (Bonn, Rom, New York) mit sich brachten.

Zur Veranschaulichung der DBK, die jeweils im Frühjahr und im Herbst zusammenkommt, sei kurz gesagt, dass sie ein Zusammenschluss der Bischöfe und Erzbischöfe aller deutscher Diözesen und Erzdiözesen (wichtigere Diözesen), derzeit mit 61 Mitgliedern ist. Sie stellt ein Bindeglied zwischen dem Papst und den deutschen Diözesen (Bistümern) dar und fördert gemeinsame pastorale Aufgaben. Eine maßgebende Stellung nahm die Deutsche Bischofskonferenz im Synodalen Weg ein. Vor allem Dr. Georg Bätzung als Vorsitzender hatte den Ruf, zu den Verfechtern der Reform zu gehören, daher rief sein Verzicht auf die Wiederwahl außerordentliches Bedauern hervor. Die Wahl von Bischof Wilmer als Nachfolger dürfte diesen Befürchtungen den Wind aus den Segeln genommen haben, denn er gilt als Vermittler mit Reformbereitschaft.

Ein prägnantes Bild seiner Haltung zeichnet ein Ausschnitt des folgenden Interviews der Vatican News (mehrsprachiges, offizielles Kommunikationsportal des Papstes) vom 11.09.2019:
Vatican News: Der Missbrauch in der Kirche hat in Deutschland zum Anliegen des „Synodalen Weges“ geführt; Bischöfe und Laien gemeinsam für eine erneuerte Kirche. Ein Kritikpunkt daran ist, dass beim „Synodalen Weg“ ein Forum über die Erneuerung des Glaubens fehlt. Wie stehen Sie dazu?
Bischof Wilmer: „Dem Vorschlag kann ich viel abgewinnen. Ich bin der Meinung, dass wir die Themen, die jetzt auf dem Tisch liegen, angehen müssen: das Thema Umgang mit Macht, Partizipation, Bewertung der Sexualität, priesterliche Lebensform und die Rolle der Frau. Das ist richtig, und das sind inhaltliche Aspekte - aber von außen wahrgenommen sind das zunächst Themen, die die kirchliche Struktur und daher eher eine Binnensicht betreffen. Sie sind wichtig für die Wahrhaftigkeit, aber unser eigentlicher Auftrag bleibt davon unberührt. Und ich finde, die Botschaft Jesu steht im Zentrum. Wie gehen wir auf die Menschen zu, wie sind wir bei den Menschen, wie sind wir vor allem bei den Jungen Menschen, wo sind wir bei älteren und vereinsamten Menschen, wo sind wir bei Migranten, bei Menschen, die in Not sind, wo sind wir bei jenen, die sich sehnen nach Tiefe und Spiritualität? Das ist unser eigentlicher Auftrag.“

In seiner ersten öffentlichen Rede nach der Wahl zum Vorsitzenden der DBK bezog sich Heiner Wilmer, ganz Diplomat, auf Äußerungen des Papstes: Er betonte die Bedeutsamkeit des Weltfriedens und das Erfordernis, Gott wieder ins Zentrum zu stellen. Eine eher ‚fachliche‘ Nähe wird dadurch hergestellt, dass Bischof Wilmer Vorsitzender der Kommission für soziale und gesellschaftliche Fragen ist. Und die Namenswahl Papst Leo IV. geht auf den Urheber der katholischen Soziallehre, Papst Leo XIII. (19. Jahrhundert) zurück.

Spannend bleibt allerdings, ob Bischof Heiner Wilmer seine fortschrittlichen Haltungen, zum Beispiel zur Rolle der Frau und zum Zölibat, weiter forcieren kann oder eher einfrieren muss. Gegenwärtig steht seine positive Haltung zur Segenspraxis gleichgeschlechtlicher Paare im Gegensatz zur päpstlichen Verlautbarung, denn Papst Leo untersagt diese Handlung.

Die Wahl selbst hat auch bei Kardinal Woelki, entschiedener Kritiker des Synodalen Weges, Zustimmung hervorgerufen, da Heiner Wilmer nicht nur als reform-, sondern auch als gesprächsbereit gilt. Letztere Eigenschaft ist gegenwärtig von großem Vorteil, da das Verhältnis zu Rom durch den Prozess des Synodalen Weges gestört ist. Der zukünftige Bischof von Münster muss sich angesichts dieser Situation einer herausfordernden Aufgabe stellen, auch wenn die Tatsache, zukünftig die Leitung einer wichtigen Diözese innezuhaben, seinem Selbstbewusstsein Auftrieb zu verschaffen vermag.

Ute Hölter