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Das Kloster Andechs im oberbayerischen Wallfahrtsort Andechs. Foto: Niko Lewman auf Unsplash

Die Welt der Orden – über die Entwicklung verschiedener Formen und den Einfluss Martin Luthers

Bierliebhaber und Bierliebhaberinnen schätzen möglicherweise das Andechser Klosterbier (oder ein anderes, wie beispielsweise Grimbergen). Die Andechser Klosterbrauerei finanziert aus ihren Erträgen unter anderem die Obdachlosenhilfe in München. Klöster sind heute unabhängige Wirtschaftseinheiten, die keine Kirchensteuer erhalten und auf sich selbst gestellt sind.

Ihre Entstehung verdanken die Klöster einer Notsituation: Schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt gab es Menschen, die eine Alternative zum Leben in der Gesellschaft suchten und sich in die Wüste zurückzogen. Bei den Einsiedlern nach Christi Geburt trat vor allem Antonius (um 250 – 356 n.Chr.) hervor. Schriftlichen Quellen zufolge lebte er 80 (!) Jahre in der Wüste, überwand eine Reihe von Versuchungen und wurde später heiliggesprochen. Zu Lebzeiten übte er angesichts seiner erlangten Weisheit eine große Anziehungskraft auf seine Mitmenschen aus, die ihm als Eremit nachfolgten. Die Kehrseite des Erfolgs: Vielfach legte sich Schwermut über die Gemüter der Einsiedler.

Pachomius gründete um 320 das erste Kloster, indem er die Eremiten zu einer Gemeinschaft zusammenfasste und einheitliche, aber zukunftsweisende Regeln für Gebet und Arbeit bestimmte. Dazu gehörten Gebäudeformen, die nach außen hin abgeriegelt waren (die Bezeichnung Kloster leitet sich vom lateinischen claustrum = abgeschlossen ab), Gebet und Arbeit als Tätigkeitsinhalte, das Armutsgelübde, den Laienstand aller Klosterbrüder sowie deren Gleichheit, die sich unter anderem in der Kleidung ausdrückt.

Der heilige Augustinus, der als Mönch und Bischof von Hippo Regius in Nordafrika lebte, verfasste Ende des vierten Jahrhunderts ein eigenes Regelwerk für das Zusammenleben der Mönche, das teilweise von Benedikt von Nursia wieder aufgegriffen wurde. Die Augustinerregel gilt als sehr sozial, weil sie auf strenge Strafen verzichtete sowie den Mönchen und Nonnen einen hohen persönlichen Freiraum ließ; Mitglieder des Ordens sollten nicht in Abgeschiedenheit leben – aber auf die strikte Einhaltung des Zölibats achten. Als die Vandalen Nordafrika eroberten, nahmen die fliehenden Mönche die Augustinerregel nach Südeuropa mit. Es war nicht im Sinne von Augustinus, einen Orden zu gründen. Die Augustiner, die es jetzt gibt, gehen auf eine Ordensgründung im 11. Jahrhundert zurück. Berühmte Vertreter dieses Ordens sind Martin Luther und der gegenwärtige Papst Leo XIV.

Benedikt von Nursia, ebenfalls heiliggesprochen, gründete um 529 n.Chr. ein eigenes Kloster, Montecassino bei Neapel. Er schrieb um 540 v. Chr. ein eigenes Ordensregelwerk auf der Grundlage der bereits vorhandenen Regelwerke. Es zeichnete sich durch eher strenge Vorschriften aus, stattete den Abt mit Verantwortung und Macht aus und band jeden Mönch an das Kloster. Benedikt teilte die 24 Stunden eines Tages in Arbeits- und Gebetszeiten auf („bete und arbeite“) und erhob die Bildung zum dritten Schwerpunkt des Klosterlebens. Damit ist zum Beispiel der Schreibunterricht für Söhne adliger Herkunft gemeint. Heutzutage verdanken wir den Übersetzungs- und Kopiertätigkeiten benediktinischer Klöster, dass Inhalte antiker Wissenschaften nicht verlorengegangen sind.

Benedikt von Nursia war, wie die meisten seiner Brüder, einen „Laienmönch“. Es bildete sich im weiteren Zeitverlauf eine Trennung von Mönchen und Kanonikern (=Gemeinschaft von Priestern) heraus, die auf dem Aachener Reichstag von 816 erstmals verschriftlicht wurde. (Darüber hinaus wurde die benediktinische Ordensregel zur einheitlichen Grundlage aller Klöster erklärt.)

Politische Einflüsse und innergesellschaftliche Entwicklungen beeinflussten Zahl und Struktur der Ordenslandschaft nachhaltig. Die folgende Grafik systematisiert schwerpunktmäßig vorhandene Orden; sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Skizze Entstehung des Klosterwesens a

Im 9. und 10. Jahrhundert veränderte sich die innenpolitische Ordnung; äußere Feinde wie Normannen und Slawen mussten zurückgedrängt werden. In der Kirche setzte eine Reformbewegung gegen die Verweltlichung der Klöster ein. Neben der Reform, die vom burgundischen Kloster Cluny ausging, erlangten benediktinische Zisterzienser unter ihrem Abt Bernhard von Clairvaux (bis 1153) weitreichende Bedeutung. Dieser neue Orden verlangte von den Mönchen strengen Gehorsam und forderte, die Klöster unter den Schutz des Papstes zu stellen. Als Tochterkloster von Clairvaux haben Mönche bis 2017 das Kloster Himmerod in der Eifel bewohnt; es gibt immer noch die Möglichkeit, in den Räumen des Klosters an den Messfeiern teilzunehmen und Hotel und Gastronomie zu besuchen. Nähere Informationen liefert die Homepage des Klosters (https://www.abteihimmerod.de).

Im Hochmittelalter gründeten sich vielerorts Gemeinschaften von Frauen und Männern, deren Ziel es war, Arme und Bedürftige zu unterstützen. In Palästina gründen sich sogenannte ‚geistliche Ritterorden‘, die anfangs die Pilger der Heiligen Stätten schützten und kranke Pilger pflegten, später die Heiligen Stätten verteidigten. Geistliche Ritter verpflichteten sich neben Gehorsam, Armut und Keuschheit auch zum Waffendienst. Der Fall der Festung Akkon 1291 markierte den Sieg der Muslime im Heiligen Land und sorgte dafür, dass die Johanniter 1308 nach Zypern und Rhodos flohen, sich 1530 endgültig auf Malta niederließen (und seitdem Malteser genannt werden). Auf die Templer wartete ein eher grausames Schicksal: Viele französische Mitglieder des Ordens, die Grundbesitz und Macht erworben hatten, wurden zu Unrecht angeklagt und ihre Geständnisse unter Folter erpresst, der letzte Großmeister sogar dem Scheiterhaufen überantwortet. Es wurden nicht alle Todesurteile an den Rittern vollstreckt, aber der Orden in seiner Gesamtheit 1312 von Papst Clemens V. aufgehoben.

Nach dem Vorbild von Franz von Assisi (1181/ 1182 – 1226) lebten die Mitglieder der Bettelorden (hier: Franziskaner und Dominikaner) ein einfaches Leben in Arbeit und Nächstenliebe, auch für Orden und Klöster wurde kein Eigentum beansprucht. Die Verfassung eines Ordens trug erste demokratische Züge: Äbte und höherrangige Ordensoberen wurden auf Zeit gewählt. Bettelorden waren vorzugsweise in den mittelalterlichen Städten zu finden, in denen die betuchte Bürgerschaft die Kirchen errichtete. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, kümmerten sich die Mönche um Unterricht und Studium, aber auch um Seelsorge und Armenfürsorge; die Betteltätigkeit nahm im Laufe der Zeit ab. Franz von Assisi nacheifernd, waren Franziskaner und Dominikaner oft gute Prediger. Beide Orden brachten vortreffliche Gelehrte hervor, so Albertus Magnus und Thomas von Aquin (Dominikaner), sowie Bonaventura (Franziskaner). Die Anspruchslosigkeit beider Ordensmitglieder hatte auch eine Achillesferse: Die Mönche wurden nämlich dann für die Verkündigung des christlichen Glaubens eingesetzt, wenn dies ein eher gefährliches Unterfangen darstellte, zum Beispiel eine Reise in entferntere Länder.

Im ausgehenden Mittelalter war die desolate Situation in Kirchen und Klöstern unübersehbar, grundlegende Reformen fanden nicht statt. Dies war der Nährboden für die Reformation Martin Luthers, die eine neue Glaubenslehre verkündete und einschneidende Folgen hatte: Vom Zölibat für Mönche und Priester wurde Abschied genommen, eine Vielzahl von Klöstern und Orden aufgelöst, und Kirchengut durch evangelisch gewordene Landesherren beschlagnahmt. Das Konzil von Trient (1545 – 1563) markierte einen offiziellen Ausgangspunkt für die Gegenreformation, die in einigen Ländern mit der Regeneration älterer und der Entwicklung neuer Orden schon begonnen hatte. Der bedeutendste war „die Gesellschaft Jesu“ (Jesuiten), gegründet vom baskischen Edelmann Ignatius von Loyola (1491 – 1556) und sechs Kommilitonen. Neben Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobten die Jesuiten auch ausdrücklich Gehorsam gegenüber dem Papst.

Ihr Ziel war es, den Glauben durch Predigt und Exerzitien, Werke der Nächstenliebe und vor allem das Unterrichten religiöser Inhalte auszuweiten. Sie etablierten sich in höheren Schulen und katholischen Universitäten. Außerdem missionierten sie die gerade durch die Seefahrt erschlossenen Länder, wobei sie in Süd- und Mittelamerika Schutzzonen für Indianer einrichten, um der Ausbeutung durch die spanischen Eroberer entgegenzuwirken. Petrus Canisius zählte zu den bedeutendsten Vertretern der Jesuiten; Papst Franziskus gehörte auch diesem Orden an.

Ute Hölter