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Pfarrer Roland Klugmann: Ich glaube, der pastorale Raum birgt Chancen für alle Beteiligten, aber auch Gefahren

Bischof Dr. Helmut Dieser wird Pfarrer Roland Klugmann ab 1. September 2025 zum Pfarrer an St. Cornelius und St. Peter ernennen. Pfarrer Klugmann ist am 04.10.1967 in Düren geboren. Zu seiner Familie gehören sein Vater (seine Mutter ist bereits verstorben) und eine Schwester mit Familie, die in Bonn lebt. Eine umfassendere Vorstellung gibt das folgende Interview:

Herr Klugmann, Ihnen eilt der Ruf voraus, als sehr bestimmend zu gelten. Wie stehen Sie dazu?

Das ist teils sicherlich richtig (seufzt…). Ich glaube, dass es manchmal auch notwendig ist, dass jemand die Richtung vorgibt, weil man sonst nicht zum Ziel kommt. Ich kann aber auch über Dinge diskutieren. Es ist nicht so, dass ich sage, meine Meinung ist in Stein gemeißelt. Es gibt aber auch Dinge, die ich auf den Tisch lege und sage, hier weiß ich nicht, was ich tun soll.

Aus welchem Grund haben Sie sich entschieden, Priester zu werden?

Das ist eine längere Geschichte: Ich komme aus Düren, bin katholisch sozialisiert, Erstkommunion, Firmung, und dann lange Messdiener gewesen. Mit 16 Jahren habe ich mit dem Gedanken geliebäugelt, Priester zu werden, habe ihn aber wieder verworfen, weil ich einige Jahre auch eine Freundin hatte, das war etwa zur Zeit des Abiturs. Es war immer klar, im Anschluss daran Theologie zu studieren, weil das mein Glauben ist und ich das spannend fand. Ich habe dann mit Theologie und Geographie auf Lehramt begonnen und verschiedene Dinge ausprobiert, die mich aber nicht zufrieden gestellt haben.

Etwa zehn Jahre bin ich nicht zur Kirche gegangen. Zuhause in Düren habe ich irgendwann einen neuen Versuch gestartet, mich darüber gewundert, wie vergleichsweise leer die Kirche war und mich gefragt: Warum kommen die Leute nicht mehr? Mir ist aufgefallen, dass ich ja auch lange nicht da war – also habe ich das zum Anlass genommen, wieder öfter in die Kirche zu gehen und mich auch ehrenamtlich wieder zu engagieren. Aufgrund meiner Erfahrungen in der Messdienerarbeit habe ich mich, zusammen mit dem damaligen Kaplan, um die Messdiener gekümmert. Ohne es selbst anzusprechen, hat dieser Kaplan die Frage, Priester zu werden, hervorgeholt, um mit den Worten einer alten Ordensschwester zu sprechen: Berufung ist so, als werfe der liebe Gott einem einen Angelhaken in den Rücken und zupft dann immer wieder daran. Man merkt es, ignoriert es vielleicht zu Beginn. Dann wird das Zupfen immer stärker, bis man es nicht mehr ignorieren kann und sich dazu verhält.

Ich habe mich dann der Frage gestellt und beschlossen, es zu versuchen – anders konnte ich nicht herausfinden, ob das Priesteramt etwas für mich ist. 1999 habe ich mein Theologie-Diplomstudium begonnen und 2002 mein Vordiplom erhalten. Im Anschluss daran bin ich als Priesterkandidat angenommen worden und konnte mein Studium 2005 mit dem Diplom abschließen. Die Diakonweihe fand 2006 hier in Dülken statt, 2007 die Priesterweihe im Aachener Dom. Dann bin ich Kaplan in Aachen-Forst geworden. Herr Finzel, der mit mir Pfarrer in Viersen ist, zog zu Beginn meines dritten Studienjahres in ein Zimmer neben mir ein. Im Laufe der Zeit ist daraus eine Freundschaft geworden und wir haben damals schon beschlossen, als Team zusammenzuarbeiten. Diesem Wunsch hat das Bistum entsprochen, so dass wir am 06. Oktober 2013 in St. Remigius Viersen als Pfarrer in solidum, [Anmerkung der Interviewerin: Gemeinsame Leitung einer Pfarre] eingeführt worden sind.

Wie sieht die Aufgabenverteilung in der Pfarrgemeinde St. Remigius aus?

Herr Finzel verantwortet alle Angelegenheiten des pastoralen Bereichs, ich die Verwaltung. 2018 begann der Heute-bei-dir Prozess, und es war klar, dass es Veränderungen gibt. Nicht vorauszusehen war, dass Herr Nienkerke Generalvikar wurde. Das Bistum hätte gerne eine Fusion der drei Kirchen- und Pfarrgemeinden im Pastoralen Raum Viersen gesehen – entstanden ist ein Pastoraler Raum mit den Pfarrgemeinden St. Cornelius und Peter sowie St. Clemens und St. Remigius; außerdem der Kirchengemeindeverband als Rechtsträger des Pastoralen Raumes.

Die Leitung der Kirchen- und Pfarrgemeinde St. Cornelius und St. Peter soll Ihnen zum 01. September 2025 übertragen werden. Die Leitung einer weiteren großen Gemeinde wird sicherlich mit Veränderungen für Sie verbunden sein. Welche Chancen und Risiken erwarten Sie im Hinblick auf diese Neuordnung im Pastoralen Raum Viersen?

Ich glaube, der pastorale Raum birgt Chancen für alle Beteiligten, aber auch Gefahren. Die Chancen sehe ich darin, dass das, was wir vor Ort nicht mehr schaffen, nach dem Subsidiaritätsprinzip auf die nächste Ebene heben und dort bewerkstelligen können, zum Beispiel die Caritasarbeit. In Viersen gibt es zwei gut funktionierende Kleiderkammern und einen Sachausschuss Caritas, der sich auch um die älteren Mitbürger kümmert. Wir haben das Himmelsstübchen und weitere caritative Angebote. Ich glaube, da liegt auch die Chance, bei immer weniger und älter werdenden ehrenamtlichen Mitarbeitenden zu sehen, was wir in der Gemeinschaft noch leisten können. Das kann auch die Firmvorbereitung sein, bei der ein Teil auch schon auf der Ebene des pastoralen Raumes stattgefunden hat. Oder es kann auch die Vorbereitung auf die Erstkommunion sein, weil wir nicht mehr die Menschen, auf Dauer auch das pastorale Personal, haben, die diese Vorbereitung begleiten.

Die Gefahr beginnt mit der Fusion der drei Kirchen- und Pfarrgemeinden zum jetzigen Zeitpunkt, die das Bistum gerne gesehen hätte. Momentan haben wir drei gut funktionierende Pfarren, wir sind mit zehn Priestern sehr gut aufgestellt, die Menschen sind zufrieden. In den nächsten fünf Jahren wird sich dies, bei Priestern und pastoralem Personal, dramatisch ändern. Momentan ist es allerdings schwer, Argumente für eine sofortige Fusion der Gemeinden zu finden, und damit Änderungen einzuleiten, die erst in fünf Jahren (oder früher oder später) notwendig sind. Ich befürchte, dass wir dadurch die Menschen verlieren; sie entscheiden mit den Füßen, bleiben einfach weg. Es wird dazu kommen, dass wir über Gottesdienste, über Kirchengebäude, über Pfarrheime sprechen müssen. Und ich sage, wir müssen jetzt anfangen zu denken, was wir tun, wenn die absehbare Situation im pastoralen Raum eintritt.

Sie haben bisher eine Reihe Reisen mit religiösem Hintergrund für Pfarrmitglieder angeboten. Möchten Sie dies in Zukunft fortsetzen?

Ja, das ist mein Urlaub, und weil ich ungern alleine verreise, werde ich diese auch weiter anbieten. Die nächste Fahrt im Oktober geht nach Portugal. Nächstes Jahr geht’s ins Wallis und an den Lago Maggiore, im Herbst nach Albanien/ Montenegro; eine weitere Reise geht nach Malta. Nicht zu vergessen ist die pastorale Wirkung dieser Gemeindereisen, die ich seit 2010, meiner Aachener Zeit, anbiete. Bis heute gibt es eine Gruppe Reiselustiger aus Aachen, die jedes Jahr, zusammen mit den Viersenern, unterwegs ist.

Das Gespräch führte Ute Hölter.