Es wird nicht mehr den ganzen Tag gebetet!

Jahr für Jahr begibt sich die St. Matthias Bruderschaft auf den Weg nach Trier. Ein Interview von Ute Hölter mit Margret Kutscheidt (links im Bild) und Helga Holthausen (rechts) von der Bruderschaft.

Hölter: Wie gründet man eine „Bruderschaft“ überhaupt?

Margret Kutscheidt: Unsere Bruderschaft wurde am 24. Februar 1856 gegründet; es wurden richtige Statuten erstellt, die dann in Trier genehmigt wurden. Eine entsprechende Urkunde könnte sich im Archiv der Pfarre befinden, wir sind gerade auf der Suche danach. Auch vorher sind schon Pilgergruppen zu Fuß nach Trier gegangen. Gegründet wurde die Bruderschaft zunächst als Beerdigungsbruderschaft, die bei einem Sterbefall die gesamten Beerdigungskosten und den Gottesdienst bezahlt.

Hölter: Warum heißen Sie „St. Matthias Bruderschaft“?

Margret Kutscheidt: Wir sind in Trier für die Wallfahrten zum dortigen Apostelgrab eingetragen; in der Basilika hängt sogar in einem Schaukasten ein Schild „Dülken 1856“. Das Grab des hl. Matthias ist übrigens das einzige Apostelgrab auf deutschem Boden.

Hölter: Hat der 24. Februar eine besondere Bedeutung für die Bruderschaft?

Margret Kutscheidt: Das Matthiasfest am 24. Februar wird mit einer Messe für die lebenden und verstorbenen Mitglieder begangen. Um sich ‚einzulaufen‘, findet eine Sternwallfahrt nach Brüggen statt, von allen Bruderschaften aus unserem Bezirk. Man trifft dann auch die Leute, die man sonst unterwegs trifft …

Die Viersener Bruderschaften gehen übrigens zum „Birgeler Pützchen“ – ein kleiner Marienwallfahrtsort in der Nähe von Wassenberg (Kreis Heinsberg), das sind etwa 30 km von hier aus. Einige von uns gehen immer dorthin mit. Außerdem gibt es zu diesem Zeitpunkt eine Hauptversammlung aller Mitglieder, auf der die Brudermeister gewählt werden, also ein erster und ein zweiter Brudermeister sowie ein Kassierer.

Hölter: Die Brudermeister haben also in der Bruderschaft eine hervorgehobene Position. Wie sehen ihre Aufgaben aus?

Margret Kutscheidt: Der erste Brudermeister hat die Verantwortung und bereitet die Wallfahrt vor, d. h. er meldet die Wallfahrt im Pilgerbüro von Trier an, besorgt die Quartiere und das Essen, gibt die Personenzahl durch und bereitet auch die Gebete vor. Früher hat der erste Brudermeister die ganze Wallfahrt komplett in die Wege geleitet. Das ist sehr viel Arbeit, daher teilen wir dies heute auf. Jeder, der möchte, bereitet einen Teil der Gebete vor, z. B. Helga Holthausen für zwei Tage, Armin Bierbaums und ich für drei Tage. Von Trier wird immer ein Thema vorgegeben, in diesem Jahr lautete es „Einmütig im Gebet“. Das nächste Jahr steht unter der Überschrift: „Kommt und seht“. Dementsprechend werden die Texte ausgesucht und der Rosenkranz gebetet.

Helga Holthausen: Aber es wird nicht mehr den ganzen Tag gebetet – nicht mehr so wie früher. Nach einer Wallfahrt waren damals nicht nur die Füße in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch der Mund wund vom Beten.

Margret Kutscheidt: Etwa alle anderthalb Stunden legen wir eine Pause ein. Wenn wir wieder losgehen, beten wir nach Möglichkeit. Streckenabschnitte, an denen es bergauf geht, sparen wir allerdings mit den Gebeten eher aus …

Hölter: Jetzt haben wir schon viel über das Pilgern gehört – es gibt sicherlich schon konkrete Termine für das nächste Jahr.

Helga Holthausen: Wir gehen jedes Jahr zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten zum Apostelgrab nach Trier. Im nächsten Jahr findet die Frühjahrswallfahrt vom 10. Mai bis zum 19. Mai statt. Seit 2002 führen wir zusätzlich eine Kurzwallfahrt in den Herbstferien durch, an der auch Schüler/-innen teilnehmen können, und zwar vom 17. bis 20. Oktober.

Margret Kutscheidt: Wenn man in Trier ankommt, gibt es als Erstpilger eine Medaille.

Hölter: Ist es für Pilger verpflichtend, Mitglied der Bruderschaft zu werden?

Margret Kutscheidt: Nein, aber es wäre schön. Es gibt ein Dülkener Kreuz im Staatswald von Rheinland- Pfalz, in Esch. Dort werden neue Mitglieder aufgenommen und erhalten ein kleines, spezielles Kreuz (z. B. zum Anhängen an eine Kette). Die Aufnahme erfolgt an diesem Ort, weil uns dort unser Pilgerweg hinführt – wir kommen aus dem Wald und laufen genau auf unser Kreuz zu.

 

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Foto: Margret Coonen, Harald Hüller