Neues Buch: Der Weiber­auf­stand

Die Journalistin Christiane Florin fordert in ihrem Buch „Der Weiberaufstand - warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ (Kösel, 2017) die Frauen dazu auf, sich in Punkto „Frauen und kirchliches Weiheamt“ eine eigene Meinung zu bilden. Sie erhellt daher, mit journalistischen Mitteln, die Argumente der Ablehnung, um den uralten Imperativ der Bibel „das Weib schweige in der Gemeinde“ zu entkräften. Zunächst zeigt uns der eingangs getätigte Blick auf die gesellschaftlichen Rahmen­be­dingun­gen einerseits, dass es momentan um die feministischen Aktivitäten in Kirche vergleichsweise ruhig geworden ist. Andererseits regiert mit Papst Franziskus ein christliches Oberhaupt in Rom, der mehr als ‚gemäßigt‘ denn als ‚Hardliner‘ eingeschätzt wird.

Das ihr vorliegende Interviewmaterial lieferte Christiane Florin eine Reihe von Argumenten, von denen hier nur wenige exemplarisch genannt werden:

  • Das Kommunikationsverhalten kirchlicher Würdenträger weist Widersprüche auf. Obwohl sie Marias Zustimmung zu einem christlichen Leben preisen, sagen sie selbst in entscheidenden Momenten, z.B. auf die Frage nach einem Weiheamt für Frauen, nein.

  • Die seit Jahrhunderten bestehenden patriarchalischen Grundsätze, z.B. die unter-schiedliche Wertigkeit von Männern und Frauen, bleiben in Zement gegossen; „reformierter“ wird lediglich die Kommunikation nach außen.

  • Die Rolle Marias wird in der Kirche ausschließlich nach den Vorstellungen von Männern (Hingabe und Opferbereitschaft) gestaltet; weibliche Zweifel an der Jungfrauenempfängnis ziehen z.B. im Amt einer Professorin, unweigerlich den Verlust des Lehrstuhles nach sich.

  • Der Kirche fehlen in erster Linie nicht die Frauen in den Ämtern, vielmehr jedoch Wirklichkeitsnähe und Wahrhaftigkeit. (Als Beleg dieses Argumentes dient die Untersuchung von Schreiben und Äußerungen Papst Franziskus‘ im Hinblick darauf, in welchem Verhältnis er auf die „Wahrhaftigkeit“, d.h. auf die tatsächliche Lebensrealität der Menschen eingeht bzw. die kirchliche Ideologie in den Vordergrund stellt.)

Selbstverständlich fehlen Kapitel über die Entwicklung der Frauenrechte im 20. Jahrhundert, nachvollzogen aus journalistischer Sicht, nicht.


Text: Ute Hölter