Begleiter durchs Leben

Gebetbücher haben eine lange Tradition. Ihre Zweckbestimmung erfüllten sie dabei weniger als reiner Gottesdienstbegleiter sondern viel stärker noch als Begleiter durchs Leben. Gebetbücher, im weiteren Rahmen den Andachtbüchern zugeordnet, dienten primär der privaten Erbauung. Vor allem Frauen begleiteten sie mit ihren Texten von besonderer Spiritualität und Gebeten durchs Leben.

Die weibliche Leserschaft legte dabei nicht nur Wert auf das geschriebene Wort, sie war auch einer anspruchsvollen Gestaltung der kleinen Büchlein sehr zugetan. So entstanden viele Gebetbücher, die aufwändiger als andere Bücher der gleichen Zeit gearbeitet waren. Das betraf die Bindung, die Verzierungen des Umschlags, den Goldschnitt des Papiers, die oft anzutreffenden kleinen Schlösser etc. Teils waren auch die Verfasser der kleinen Büchlein Frauen.

Nutznießer der Gebetbücher waren lange Zeit natürlich nur Menschen, die auch des Lesens mächtig waren. Das wurden über die Jahrhunderte immer mehr. Gleichwohl überschritten die Gebetbücher im 19. Jahrhundert ihren Zenit. Denn es drängte immer mehr andere Literatur in die Bücherregale, und die Menschen mochten sich nicht mehr länger nur mit Gebetbüchern beschäftigen. Für den Teil der Lektüre, der der Erbauung dienen sollte, gab es auf einmal Alternativen.

Neben reinen Gebetbüchern gab es im katholischen Raum immer auch schon die Kombination von Gesangund Gebetbuch. Zur mehr oder weniger endgültigen Fusion dieser beiden Buchbereiche kam es im Jahr 1975 mit der Einführung des gemeinsamen Gesang- und Gebetbuchs Gotteslob. Dieses setzt aktuell in seiner seit 2013 geltenden Fassung den Maßstab für die Gebetbuchästhetik im katholischen Raum.

Das düstere Schwarz vieler älterer Gebetbücher ist, zumindest in der Kirche, einem lichten Grau gewichen, ihre oft faszinierende Handlichkeit der vielseitigen Nutzbarkeit im Gottesdienst und in der Gemeindearbeit.

Die hier gezeigten Gebetbücher stellen einen Querschnitt aus einem privaten Bestand dar. Das älteste stammt aus dem Jahr 1833. Reich illustrierte Versionen gehören genauso dazu wie Gebetbücher mit aufwendig gearbeiteten Verschlüssen und vierzierten Einbänden. Es gibt auch besondere Ausgaben: Myrten- Schmuck – ein vollständiges Gebetbuch für die katholische Gattin, Myrten-Zweig – ein vollständigen Gebetbuch für den katholischen Gatten, hier beide in der vierten Auflage aus dem Jahr 1950.

 

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Text und Fotos: Uwe Rieder